Begegnung mit Namibia
Sieben Jugendliche aus Afrika zu Gast in Wasserburg
24. September - 12. Oktober 2006
Noch ein letztes Mal Charmaine und Juliana umarmen, ein letztes Mal „Bye Hans!“ rufen, dann sind sie weg, unsere Namibier. Drei Wochen lang waren sie in und um Wasserburg, nahmen an unzähligen Unterrichtsstunden teil, veranstalteten Workshops und machten Ausflüge. Für den ein oder anderen der sieben Jugendlichen war manch ein Tag sicherlich anstrengend, aber im großen und ganzen haben sie die Zeit bei uns sehr genossen.
Der Kopf dieses Austauschprojektes waren Claire Weemaes und Kathrin Reikowski, zwei Studentinnen aus München, die das Projekt mit ihrem Verein „Getting There e.V“ in die Wege geleitet hatten. Sie begleiteten die Jugendlichen aus Aranos, einem kleinen Dorf im Westen Namibias, bei ihrem gesamten Aufenthalt in Deutschland.
Dieser begann offiziell am Montag, den 25. September 2006 mit der Auftaktveranstaltung in der kleinen Aula des LGW. Dort stellten sich Juliana, Stefanie, Charmaine, Johaneeza, Emily, Hans und Speno vor und wurden von unserem Schulleiter Peter Rink, dem 1. Bürgermeister von Wasserburg Michael Kölbl und den Verantwortlichen des Wasserburger Weltladens, Dr. Walter Satzinger und Roswitha Betz-Heindl, die den Austausch durch Spenden erst ermöglichten, begrüßt. Anschließend gaben uns die sieben Jugendlichen mit Tänzen und Liedern schon mal eine Kostprobe namibischer Lebensfreude.
Am Nachmittag ging es dann gleich mit dem ersten Workshop los. Die Journalistin Almut Hielscher und ihr Kollege klärten die namibischen Jugendlichen und eine kleine Gruppe deutscher Schüler über die Verbindungen der Deutschen zu den Namibiern in der Kolonialzeit auf. Das Ganze natürlich auf Englisch, da unsere Gäste neben ihren verschiedenen Muttersprachen und Afrikaans „nur“ Englisch sprachen. Die darauffolgenden Tage besuchten sie viele Klassen im Unterricht und waren auch in den Pausen immer bereit, auf unsere Fragen einzugehen.
Am Samstag, den 30. September fand ein Tanzworkshop statt, in dem die Namibier den „verspannten“ deutschen Teilnehmern geduldig Lieder, Tänze und „locker sein“ beibrachten - was allen sehr viel Spaß machte. In der zweiten Woche besuchten die sieben Jugendlichen einige Schulen im Umkreis, wie zum Beispiel sämtliche Schulen in Wasserburg oder die Grund- und Teilhauptschulen Eiselfing, Edling und Amerang, wo sie ebenfalls Vorführungen machten, den Schülern Tänze beibrachten und natürlich deren Fragen beantworteten. Im Kloster Baumburg gab die Gruppe am 8. Oktober ein buntgestaltetes Konzert, dessen Einnahmen in die Finanzierung des Projektes flossen. Zusammen mit ihren Gastfamilien und den Betreuern unternahmen die Namibier auch einige Ausflüge, u.a. machten sie eine zweitägige Hüttentour in Österreich, besichtigten Herrenchiemsee und besuchten das Bauernhofmuseum Amerang .
Nach drei Wochen vollen Programms stand nun auch schon die Abschlussveranstaltung an. Am Abend des 10. Oktober gaben unsere namibischen Gäste noch einmal ihr gesamtes Repertoire an Gospels und Tänzen, z.T. in traditioneller Kleidung, zum Besten. Außerdem stellten Schüler und Lehrer dem Publikum die Ergebnisse ihrer Projekte und Unterrichtsstunden vor. Claire Weemaes berichtete zusammen mit Kathrin Reikowski vom Leben der Menschen in Namibia, speziell in Aranos, dem Heimatdorf der sieben Jugendlichen, sowie von der Entstehung des Austausches. Danach schilderten die Namibier ihre persönlichen Eindrücke vom Aufenthalt in Wasserburg: Johaeeza war beeindruckt davon, wie grün hier alles ist, Speno freute sich darüber, dass sich hier eine Familie um ihn kümmert und ihn sogar zum Essen ruft – für unsere deutschen Jugendlichen eine Selbstverständlichkeit, während sich unsere namibischen Gäste in ihrer Heimat schon längst selbst darum kümmern müssen, wann und wo sie etwas zu essen bekommen. Und nicht nur dass: Viele von ihnen haben ihre Eltern zum Teil bereits verloren und nehmen bereits mit 16 Jahren selbst die Mutterrolle für die kleineren Geschwister oder die alte Oma ein. Alle unsere Gäste genossen deshalb sichtlich, auf ihrem Besuch hier so sehr umsorgt zu werden. Immer wieder betonten sie, wie nett die Menschen hierzulande ihnen gegenüber seien, und lobten ganz besonders ihre Gastfamilien! Beim Abschiednehmen konnte der ein oder andere seine Tränen nur mehr schwer zurückhalten, besonders unser „Küken“ Juliana schien das alles sehr schwer zu verkraften.
Doch auch dieser Abend ging vorbei und Mittwoch hatten die sieben Jugendlichen die Gelegenheit noch einmal zusammen mit allen Gastfamilien ein gemeinsames Abendessen mit Buffet in der Mensa zu genießen. Donnerstag stand Shopping in München auf dem Programm, bevor unsere namibischen Gäste am Abend wieder zurück nach Hause flogen. Zum Schluss stellt sich nur noch die Frage, wer von diesem Austausch nun mehr profitiert hat? Interessant und aufschlussreich war es wohl in jedem Fall für alle Beteiligten!
Verena Schindler (9b)